The Heat Is On - PECOJON auf dem Global Media Forum 2010
PECOJON-Workshops “Picturing Climate Change” und “Conflict sensitive reporting in the Philippines”
Fotos wecken Emotionen. Und wenn in diesem Zusammenhang gilt, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, so hat PECOJON mit seinem Workshop „Picturing Climate Change“ zu konfliktsensiblen Ansätzen in der Fotografie einen guten Beitrag geleistet. Vor allem die Panel-Mischung aus Journalisten und Marketing-Praktikern sowie dem Hochschulbereich ermöglichte Reflexionen darüber, wie konfliktsensible Fotoarbeit zum Thema Klimawandel aussehen kann.
Felix Koltermann von PECOJON stellte zunächst dem Publikum eine Reihe von Fotos zum Klimawandel vor. Die über 50 Teilnehmer konnten so ihren eigenen visuellen Ansatz wählen, um danach noch tiefer in konfliktsensible Bereiche der Bildarbeit vorzudringen. Aktiv als Referent war hier Marco Siebertz, der Schöpfer der diesjährigen Corporate Identity des Global Media Forum. Christoph Bangert, Managing Partner von laif Agentur für Photos & Reportagen, analysierte verschiedene Beziehungsebenen zwischen Klima und Konflikt. Dabei wurde klar, dass emotionale Reaktionen auf ein Bild durchaus in konkrete Aktion münden können.![]()
Über eine „Ikonografie“ des Klimawandels sprach in diesem Zusammenhang Elke Grittmann von der Universität Augsburg. Fotoarbeit sei auch deshalb sehr anspruchsvoll, weil die konkrete Ursache – der Treibhauseffekt – an sich gar nicht sichtbar ist. Peter Bitzer, Marketing-Direktor der Fotoagentur „laif und Bilderberg“ stellte einen steigenden Bedarf an Fotos zum Thema Klimawandel fest. Besonders vor und nach dem Kopenhagener Gipfel sei das der Fall gewesen. Fotoagenturen müssten mehr zur Verbreitung konfliktsensibler Bilder tun. Seine Agentur wolle dem auf der nächsten Photokina-Messe in Köln Rechnung tragen.
Philippinen als Brennpunktthema
Auf besondere Weise bedroht der Klimawandel krisenanfällige Gesellschaften. Dies wurde beim zweiten PECOJON-Workshop deutlich. Am Beispiel der Philippinen beleuchteten Praktiker und Friedenswissenschaftler Fragen der konfliktsensitiven Berichterstattung. Dieser Ansatz sei besonders wichtig, weil Veränderungen in der natürlichen Umwelt vielfältige Auswirkungen in der Gesellschaft nach sich ziehen können, sagte Antonia Koop vom Internationalen PECOJON-Sekretariat in Cebu, Philippinen. Von den Journalisten solle hier – trotz der Konkurrenz um Bilder und Berichte – auch bei Naturkatstrophen eine neue Kultur der Kooperation und des fairen Gedankenaustausches gepflegt werden.
Welche Folgen es hat, wenn Menschen im Konflikt mit der Umwelt leben, berichtete der Fotojournalist Charlie Saceda, der von den Philippinen nach Bonn gekommen war.
Angesichts schlechter Bedingungen und vieler Gefahren für die Journalisten seines Landes sei konfliktsensibler Journalismus harte Arbeit, die man aber auch mit Hilfe von Institutionen der internationalen Medienzusammenarbeit weiter voranbringen möchte.
Felix Koltermann, der den Workshop moderierte, rückte die Risiken journalistischer Arbeit in dem südostasiatischen Land weiter in den Fokus: Wenn konfliktsensitive Berichterstattung die Frage nach der Rolle aller Akteure beleuchten solle, so müsse man angesichts politisch motivierter Morde auch klar zwischen Tätern und Opfern unterscheiden.
Michael Brzoska vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg betonte die Rolle von Klimakonflikten als Multiplikatoren für Folgeauseinandersetzungen mit Langzeitwirkung. Nicht nur Klimawandel, auch andere Naturereignisse wie Dürren und Erdbeben sollten hinsichtlich ihrer Relevanz für Friedensfragen journalistisch bearbeitet werden. Gerade hier müssten akzeptierbare Lösungen aufgezeigt werden. Bernhard Lichte vom ZDF hob hervor, dass sein Sender der Umweltberichterstattung hohe Relevanz zumesse. Die Philippinen würden vom ZDF-Büro in Peking aus betreut. Künftig solle eine verbesserte und konfliktsensible Berichterstattung – auch mit lokalen Bezügen – stärker im Fokus stehen.
Andreas Herrmann

