Beiträge der Kategorie 'Krieg'
Die Rolle der Medien in Konflikten -
EU-Akteure und Medienverteter diskutierten
von PECOJON-Mitglied Andreas Herrmann
Der Begriff Friedensjournalismus und seine Akteure sind bei den Europäischen Institutionen angekommen. Deutlich wurde dies während eines Dialogforums Anfang April in der tschechischen EU - Vertretung in Brüssel zum Thema „The Role of the Media in Conflict Prevention“. Auf Einladung der schwedischen Folke Bernadotte Academy und der Madariaga College of Europe Foundation waren Vertreter der Europäischen Kommission und des Rates der Europäischen Union, der Vereinten Nationen sowie zahlreiche Medienpraktiker zum Beispiel von der BBC und der Deutschen Welle präsent. Auch Felix Koltermann und Andreas Herrmann von PECOJON Deutschland waren dabei.
Besonders wichtig dabei erwies sich die Beteiligung von rund 30 unterschiedlichen Akteuren der Medien-Zivilgesellschaft von Nonviolent Peaceforce, Oxfam bis zu christlichen Organisationen wie den Quäkern oder der europäischen Dachorganisation verschiedener Friedensorganisationen EPLO (European Peacebuilding Liaison Office).
Helga Schmid, Direktorin für politische Angelegenheiten beim Generalsekretariat des Rates der Europäischen Union, sagte in ihrem Eröffnungsreferat, dass die konfliktsensitive Berichterstattung Teil von Langzeitprävention werden müsse. Wichtig dabei seien spezielle Optionen für lokale Medien. „EU-Friedensmissionen, die hinsichtlich ihrer Medienarbeit nicht gut vorbereitet sind, werden nicht erfolgreich sein“, meinte Cristina Gallach, Sprecherin des EU-Beauftragten für die Gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik (GASP) Javier Solana. Dass die verschiedenen EU-Programme nicht ausreichend für die Entwicklung lokaler Medien, darunter besonders des Radios sind, erwähnte Andrea Ricci von der Generaldirektion Außenbeziehungen der EU-Kommission.
Für die Umsetzung von Friedensjournalismus als beste Möglichkeit lokalen Informationsansprüchen im Fall von Krisen gerecht zu werden sprach sich Annika Flensburg von der schwedischen Kvinna till Kvinna Foundation aus, die Frauenprojekte auf dem Balkan, im südlichen Kaukasus und im Mittleren Osten unterstützt. Auch das Thema Medienentwicklung in den „post-conflict Regionen“ des westlichen Balkan war Thema des Brüsseler Dialogforums. Der ehemalige österreichische Verteidigungsminister und EU-Parlamentarier Friedhelm Frischenschlager, der heute Mitglied des Rundfunkrates im Kosovo ist, stellte in einer umfassenden Analyse die Chancen und Risiken der Einführung demokratischer Medienstrukturen in einer noch instabilen Region vor. Zustimmung fand dies vor allem bei dem tschechischen EU-Parlamentarier Libor Roucek, der darauf hinwies, dass bisher in einigen Konfliktgebieten die Medien eher zur Eskalation beigetragen hätten.
Die Rolle neuer Medien für den Bereich Konfliktprävention unterstrich Alain Modoux von der Genfer ICT4Peace Stiftung. Er hob hervor, dass durch die neuen technischen Möglichkeiten die Rolle des traditionellen Journalisten in Richtung eines Bürgerjournalisten mit direkten Informationsmöglichkeiten über und für die Grasswurzel-Ebene einen Wandel erfahren habe. Wichtige Impulse für die Zukunft leistete dabei nach Ansicht des Experten dabei auch der vergangene Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) in Genf und Tunis. Sheldon Himmelfarb vom Center for Innovation for Media, Conflict and Peacebuilding des US Institutes for Peace sagte, dass vor allem den Nichtregierungsorganisationen in Zukunft eine neue und verantwortungsvolle Rolle bei der Lieferung von Informationen aus Krisengebieten zukomme. Friedensjournalismus sei hier ein wichtiger und innovativer Ansatz.
————————-
Text als pdf downloaden
