Friedens-
journalismus
Sieben Thesen zum Friedensjournalismus
Friedensjournalismus ist verantwortlicher Journalismus. Journalistinnen und Journalisten haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen über die sie berichten und für die sie berichten. Journalistische Recherche und Berichterstattung zu einem Konflikt stellt eine Intervention dar, die Positionen und das Geschehen verändern kann. Friedensjournalismus stellt sich dieser Verantwortung. Er hinterfragt auch die journalistische Rolle im Konflikt und in der Gesellschaft.
Friedensjournalismus ist konfliktsensitiv. Journalismus braucht eine empathische Grundhaltung, um die unterschiedlichen Perspektiven der Betroffenen nachzuvollziehen. Journalismus braucht außerdem konflikttheoretisches Wissen für eine genaue Analyse: Er ist fundiert in der Konflikttheorie und im Wissen über den Konfliktfall. Nur wer Bearbeitungsstrategien und Lösungsmöglichkeiten von Krisen kennt, kann Vorschläge beurteilen, einordnen und angemessen aufgreifen.
Friedensjournalismus braucht Unabhängigkeit. Journalismus darf nicht parteilich und nicht käuflich sein. Nur so bleiben Journalisten glaubwürdig. Viele Positionen, viele Stimmen zu hören – das ist ein zentraler Auftrag. Wenn die öffentliche Diskussion sich auf eine Partei mit einem einzigen, militärischen Lösungsvorschlag konzentriert, muss Journalismus gewaltfreie Alternativen einbringen.
Friedensjournalismus sorgt für Transparenz. Journalistinnen und Journalisten sind keine Roboter, die per se neutral und überparteilich sind. Ihre Werte, ihr subjektiver Blick und die Produktionsbedingungen beeinflussen ihre Arbeit. Diese Einflüsse offen zu legen gibt dem Publikum Transparenz, so dass es die Informationen, Stories und Standpunkte einordnen kann.
Friedensjournalismus ist Qualitätsjournalismus. Richtigkeit, Transparenz und Verantwortung: Friedensjournalismus folgt damit berufsständischen Regeln. Er ist professionell in der Vermittlung und nimmt die Aufgabe ernst, in demokratischen Gesellschaften die Voraussetzungen zur Meinungsbildung zu schaffen.
Friedensjournalismus braucht Voraussetzungen. Konkurrenz und Kommerzialisierung setzen Journalistinnen und Journalisten unter Druck. Damit sie unabhängig von allen Konfliktparteien arbeiten können, damit sie Zeit für gründliche Recherche und Raum für differenzierte Darstellungen haben, brauchen sie Rückendeckung von ihren Unternehmen, ihren Redaktionen und ihrem Publikum.
Friedensjournalismus bleibt eine Herausforderung. Doch auch wenn die Arbeitsbedingungen nicht optimal sind, haben Journalistinnen und Journalisten Spielräume: Ob ein Hardliner oder eine versöhnliche Stimme zu Wort kommen, ob ein gewaltfreier Lösungsvorschlag in einen Bericht einfließt oder Krieg als einziges Zukunftsszenario auftaucht – darüber entscheiden Journalistinnen und Journalisten.
© Nadine Bilke & Pecojon Deutschland
